Änderungen für Lastaufnahmemittel nach der neuen EG-Maschinenrichtlinie

Änderungen für Lastaufnahmemittel nach der neuen EG-Maschinenrichtlinie

Am 29.12.2009 verliert die bisherige Maschinenrichtlinie 98/37/EG ihre Gültigkeit und die Anforderungen der neuen Maschinenrichtlinie 2006/42/EG müssen umgesetzt werden. Die neue Maschinenrichtlinie ist ab 29.12.2009 verbindlich. Dazu gehören auch die sogenannten Risikobeurteilungen, die an die Stelle der Gefahrenanalysen treten.
Ist nur die Bezeichnung neu? Oder haben sich inhaltliche Änderungen ergeben? Wie muss zukünftig bei Lastaufnahmemitteln verfahren werden?

Die Risikobeurteilung ersetzt die bisherige Gefahrenanalyse

Die Risikobeurteilung ersetzt die bisherige Gefahrenanalyse in der neuen Maschinenrichtlinie 2006/42/EG.
Bei einer Risikobeurteilung werden alle Gefahren betrachtet, die in dem Arbeitsbereich bei dem Maschinenbetreiber auftreten können. Bei der bisher geforderten Gefahrenanalyse, wurden hingegen nur die Gefahren betrachtet, die von der Maschine ausgehen können.

Risikobeurteilung als Basis der Konstruktion

Nach Maßgabe der neuen Maschinenrichtlinie muss der Hersteller einer Maschine oder sein Bevollmächtigter* dafür sorgen, „dass eine Risikobeurteilung vorgenommen wird, um die für die Maschine geltenden Sicherheits- und Gesundheitsschutzanforderungen zu ermitteln. Die Maschine muss dann unter Berücksichtigung der Ergebnisse der Risikobeurteilung konstruiert und gebaut werden.“
Bei einer Risikobeurteilung geht es also darum, die Sicherheits- und Gesundheitsanforderungen individuell für eine bestimmte Maschine zu ermitteln und diese umzusetzen. Die in der neuen Maschinenrichtlinie in den Allgemeinen Grundsätzen des Anhangs I Nr. 1 geforderte Risikobeurteilung müssen also Teil der Entwicklung und Konstruktion sein.
Die Risikobeurteilung ist kein Prozess, der nach dem Bau einer Maschine stattfindet, indem man die Risiken der bereits konstruierten Maschine austestet. Gefahren, die sich erst dann herausstellen, lassen sich kaum oder nur mit großem Aufwand abstellen oder zumindest abmindern.

Risiken bestehen während des gesamten Produktlebenszyklus

Die Beurteilung der Risiken gemäß neuer Maschinenrichtlinie betrifft dabei nicht nur die erstmalige Montage und den normalen Betrieb. Vielmehr müssen bei der Risikobeurteilung und damit schon bei der Konstruktionsplanung sämtliche Lebenszyklen der Maschine bedacht werden, also insbesondere:

  • Montage
  • Einrichtbetrieb
  • Normalbetrieb
  • Wartung
  • Instandsetzung
  • Außerbetriebnahme
  • Demontage

Auch an eine mögliche Fehlbedienung muss gedacht werden!

Bei der Ermittlung und Reduzierung von Risiken darf nicht nur die bestimmungsgemäße Verwendung einer Maschine in die Überlegungen einbezogen werden. Vielmehr muss die Risikobeurteilung auch alle vernünftigerweise vorhersehbaren Fehlanwendungen mit einbeziehen. Dies kann man sich so verdeutlichen, dass voraussichtlich jede erkennbare Möglichkeit einer Maschine auch genutzt wird, selbst wenn diese nicht vom Hersteller so vorgesehen wurde.
Könnte man also eine bestimmte Maschine auch zum Heben von Lasten einsetzen, obwohl dies nicht die bestimmungsgemäße Verwendung ist, muss man damit rechnen, dass dies versucht wird, und die entsprechenden Risiken berücksichtigen.

Verfahren zur Risikobeurteilung

Die neue Maschinenrichtlinie beschreibt Verfahren der Risikobeurteilung. Die Durchführung einer solchen Risikobeurteilung ist nicht einfach und erfordert besonders im Bereich der Hebetechnik speziell geschulte Spezialisten.
Während die bisherige Maschinenrichtlinie 98/37/EG für die dort geforderte Gefahrenanalyse keine genaueren Angaben zur Durchführung macht, befinden sich in dem Anhang I der neuen Maschinenrichtlinie Hinweise zu dem Verfahren. So sollen in iterativer (also sich wiederholender) Form die folgenden Schritte bei der Risikobeurteilung vollzogen werden:

  • Bestimmung der Grenzen der Maschinen (bestimmungsgemäße Verwendung und jede vernünftigerweise vorhersehbare Fehlanwendung muss berücksichtigt werden)
  • Ermittlung der Gefährdungen, die von der Maschine ausgehen können, und der damit verbundenen Gefährdungssituationen (dazu insbesondere jeden Arbeitsschritt mit der Maschine gedanklich durchspielen)
  • Abschätzung der Risiken unter Berücksichtigung der Schwere möglicher Verletzungen oder Gesundheitsschäden und der Wahrscheinlichkeit ihres Eintretens
  • Bewertung der Risiken, um die Erfordernis einer Risikominderung zu ermitteln
  • Ausschaltung der Gefährdungen oder Minderung der Gefährdungen durch Anwendung von Schutzmaßnahmen

Rangfolge der möglichen Schutzmaßnahmen

Eine einfache Auflistung der festgestellten Risiken, beispielsweise in der Bedienungsanleitung ist nicht ausreichend. Schutzmaßnahmen müssen zwingend ergriffen werden, hierfür gibt es in der neuen Maschinenrichtlinie eine klare Rangfolge:

1. Risikominimierung durch konstruktive Maßnahmen
2. Ergreifen weiterer Schutzmaßnahmen gegen die Restrisiken, die sich durch Konstruktion und Bau der Maschine nicht beseitigen lassen
3. Benutzerinformation über die trotz Schritt 1. und 2. verbleibenden Risiken mit Hinweisen auf erforderliche Spezialausbildungen, Einarbeitungsmaßnahmen und Persönlichen Schutzausrüstungen sowie regelmäßige Kontrollen des richtigen Verhaltens der Benutzer durch den Betreiber

Technische Unterlagen

In den technischen Unterlagen (technische Dokumentation) zu dem jeweiligen Lastaufnahmemittel müssen sich nach der neuen Maschinenrichtlinie zudem Angaben zu dem Verfahren der Risikobeurteilung, zu den Sicherheitsanforderungen, den ergriffenen Schutzmaßnahmen und den verbleibenden Restrisiken befinden.
Die technischen Unterlagen für Lastaufnahmemittel müssen jetzt wesentlich detaillierter ausgeführt werden, eine enge Abstimmung zwischen Hersteller, Anwendungsberater vor Ort und dem Anwender ist zwingend erforderlich. Einzelne Abläufe müssen zeichnerisch dargestellt werden, besondere Risiken müssen ausführlich erläutert werden.
Teilweise muss die Bedienungsanleitung nach der Erstanwendung ergänzt werden (z.B. Anwendungsfotos, Verfahrenshinweise).

Konsequenzen

  • Die Risikobeurteilung kann nur durch speziell geschulte Spezialisten für Lastaufnahmemittel oder direkt durch den Hersteller erfolgen.
  • Sind nicht alle Risiken bekannt, so muss die Herstellung eines Lastaufnahmemittels abgelehnt werden.
  • Die technische Dokumentation wird wesentlich aufwändiger in ihrer Erstellung und verursacht höhere Kosten.

Verfasser: Boris Franke (Geschäftsführer Axzion GKS Stahl- & Maschinenbau GmbH)

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