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Sonderkonstruktionen für die Re- und Demontage von großen Läufern

Höchste Flexibilität ­– auch bei komplexen Montageeinsätzen

Bei einer mittelfristigen bis langfristigen Planungsphase und unter normalen Umgebungsbedingungen werden Läufer mit einer stark ausgelegten System-Balkentraverse  aus dem Gehäuse gehoben. Oft sind diese Traversen stufenlos – manchmal sogar unter Last – verstellbar. Diese Vorgehensweise stellt sicher, dass der Läufer ohne Schiefstellung montiert oder demontiert werden kann und die druckempfindlichen Schaufelspitzen vor Seilkontakt geschützt sind. Unter den folgenden Voraussetzungen ist diese Handhabung jedoch nicht möglich. Profitieren Sie von der hohen Flexibilität des Evers Teams. Ob kurzfristige Hebevorgänge oder erschwerende Raumbedingungen beim Transport: Wir unterstützen Sie mit Sonderlösungen, hier alternativen Lastaufnahmeeinrichtungen, in Ihrem komplexen Anwendungsfall.

Sonderkonstruktion 1: Kurzfristige Demontage eines Dampfturbinenläufers

Bei kurzfristigen Montage- oder Demontagearbeiten mit sehr kurzen Vorlaufzeiten ist die Auslieferung einer System-Balkentraverse nicht möglich. In diesem Fall beobachten wir immer wieder den Versuch, gefährliche Eigenkonstruktionen einsetzen zu wollen, die ggf. Personenunfälle, Beschädigungen am Läufer oder den umliegenden Bauteilen mit sich bringen: Schwerwiegende Verletzungen, kostspielige Reparaturen an Einzelelementen und lange Ausfallzeiten der gesamten Anlage sind die Folge. Nach einer Situationsanalyse und einem intensiven Beratungsgespräch konstruieren wir eine alternative Lastaufnahmeeinrichtung aus schnell verfügbaren Standardkomponenten und begleiten bei Bedarf die richtige Anwendung vor Ort. In einem konkreten Anwendungsfall, bei dem die Reaktionszeit weniger als 24 Stunden betrug, ist das Evers Team wie folgt vorgegangen:

Zunächst wurden schmale und sehr leichte SpanSet MAGNUM-X Hochleistungsrundschlingen an einem 26 t schweren Läufer in der Anschlagart „geschnürt“ angeschlagen. Zum Schutz der Rundschlingen vor der scharfen Kante der Läuferübergänge wurde ein Kantenschutzpad verwendet. Der außermittige Schwerpunkt verlangte eine Rundschlingen-Kettenkombination mit zwei grob verkürzbaren 1-Strang-Ketten. Die Verbindung zu den MAGNUM Rundschlingen entstand über die Sicherheitshaken der Kettenkombination. Eine der beiden 1-Strang-Ketten verfügt zusätzlich über eine stufenlose Längeneinstellung. Damit konnte die notwendige Feinjustierung erfolgen. Hier muss darauf geachtet werden, dass die Längeneinstellung nicht unter Last reguliert wird. Der Läufer wurde dadurch exakt in seiner Lage ausnivelliert – er hängt trotz Schwerpunkversatz absolut gerade. Die Kette wurde anschließend über ein Beschlagteil mit einem weiteren Satz Schwerlastrundschlingen verbunden. Diese Rundschlinge liegt dadurch glatt und vollflächig auf dem Kupplungselement auf – Punktbelastungen und zu kleine Umlenkradien wurden vermieden. Die Rundschlingen dienten als große Schlaufe und wurden für eine sichere Verbindung über den Doppelhaken des Krans im Kraftwerk gelegt. Diese Lösung wurde zwar für einen speziellen Anwendungsfall konzipiert, kann aber aufgrund Ihrer Einstellbarkeit für ähnliche Anwendungsfälle verwendet werden. 

Sonderkonstruktion 2: Heben, Neigen und Transportieren eines Generatorläufers bei anspruchsvollen Umgebungsbedingungen

Anspruchsvolle Umgebungsbedingungen, die den herkömmlichen Transport eines Generatorläufers mit einer System-Balkentraverse nicht möglich machen, fordern eine Sonderkonstruktion die allen Anforderungen gerecht wird. In diesem besonderen Anwendungsfall musste der 16 t schwere Generatorläufer durch eine Bodenluke der Zwischenbühne auf den Hüttenflur transportiert werden. Der Läufer war mit einer Länge von 5600 mm zu groß, um in horizontaler Lage durch die 4150 mm lange und 3000 mm breite Luke gehoben zu werden. Die Lüfterringe und der Erregerläufer durften zudem in keiner Weise belastet werden. Nach der Beratung des Betreibers und der Durchführung einer Gefährdungsbeurteilung haben die Evers-Anwendungsexperten die folgende Sonderlösung entwickelt und die Anwendung vor Ort begleitet. Auf die detaillierte und chronologische Beschreibung der Montage von Einzelelementen wird hier verzichtet – rufen Sie uns für nähere Informationen zu dieser Lastaufnahmeeinrichtung gerne an: 

Zunächst werden eine Anschraubtraverse als Sonderanschlagpunkt an die Kupplung des Läufers angeschlagen und empfindliche Elemente, wie die Lüfterringe, gepolstert. Danach wird ein Kantenschutz an der Erregerseite des Läufers montiert. Durch eine Kombination aus Zurrgurt und Kantenschutzschlauch kann verhindert werden, dass die doppelt geschnürte MagnumX Rundschlinge Richtung Lastmittelpunkt verrutscht und die Lüfterringe fälschlicherweise belastet werden. Zusätzlich kommt der Evers Kettenbypass in Verbindung mit einem Druckluftkettenzug und einer Sonderwippe zum Einsatz. 

Das Aufhängeglied des Kettengehänges bildet die Verbindung zum bauseitigen Kranhaken. Die Stranglängen der erregerseitigen Ketten können über die Verkürzungsklauen auf beiden Läuferseiten individuell voreingestellt und über Joker-Haken in die vorbereiteten Wirbelböcke der Anschraubtraverse eingehängt werden. Eine sichere Verbindung zum Einhängeadapter für den Druckluftkettenzug bietet ein, am Aufhängeglied des Kettengehäges, montiertes Verbindungsschloss. Der obere Haken des Druckluftkettenzuges wird in einen, mit dem Schäkel des Sonderanschlagpunktes verbundenen, Aufhängering eingehängt. Der untere Haken wird in den Aufhängering des Kettengehänges gehängt, dass über einen weiteren Sicherheitshaken mit der doppelt geschnürten MagnumX Rundschlinge auf der Erregerseite verbunden ist.

Der ggf. iterative Hebeprozess beginnt mit dem vorsichtigen Anheben der Last. Je nach Neigungsverhalten, sind unterschiedliche Maßnahmen notwendig:

  • Sofern die Last nicht gleichmäßig abhebt, müssen die Stranglängen auf die außermittige Schwerpunktlage eingestellt werden. Hierfür wird die Last zunächst wieder abgesetzt.
  • Falls der Schwerpunkt Richtung Kupplungsseite verschoben ist, so muss der Druckluftkettenzug abgelassen werden. Ggf. muss die Ketteneinstellung der Anschlagkette an der Erregerseite verlängert werden.
  • Falls der Schwerpunkt Richtung Erregerseite verschoben ist, so muss das 2-Strang- Gehänge verlängert werden. Bei entspannten Kettensträngen dafür die Verriegelung der Verkürzungsklaue drücken und Kettenglieder umhängen. Der Druckluftkettenzug muss ebenso verkürzt werden.
  • Wenn die Last gerade abgehoben wurde, den Kranhaken im Schleichgang anheben. Im Wechsel mit dem stehenden Kran den Druckluftkettenzug verlängern, um die Last an die Bypass-Kette zu übergeben. Alle Fahr- und Druckluftkettenzugbewegungen müssen bei kleinster Geschwindigkeit erfolgen, um Kollisionen zwischen Anschlagkette und Kettenzug zu vermeiden.
  • Wenn der Läufer in der gewünschten Schräglage ist und dieser nicht mehr ausreichend angehoben werden kann, muss das Geländer der Bodenluke entfernt werden. Bei Arbeiten im Bereich der Absturzkante persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz verwenden!
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